Die wahren Sieger der Duelle

Der 14. April stand aus österreichischer Sicht ganz im Zeichen der Fernsehduelle von fünf mehr oder weniger geeigneten KandidatInnen für das neu zu vergebende Amt des Bundespräsidenten. In Erfüllung staatsbürgerlicher Pflicht konsumierte ich tapfer die schlanken 150 Minuten dieses Contests der rotweißroten Art. Das spannendste Duell des Abends konnte ich daher erst zur Geisterstunde nacherleben.

Der vor Ideen nur so sprudelnde ORF hatte sich wieder etwas Neues einfallen lassen. Jeder Teilnehmer gegen jeden an einem Abend, so etwas gibt es nicht einmal im Hallenfußball! Dort wird allerdings im direkten Anschluss ein Sieger gekürt. Auch wenn bei den Polit-Talks durchaus über fußballrelevante Begriffe wie „Heimat“ oder „Allmachtsphantasien“ („Hier regiert der SCR“) philosophiert wurde, war ich doch froh, als sich das opulente Telespiel dem Ende zuneigte. Allerdings galt es dann noch eine Verlängerung zu überstehen, die der beliebte Politologe Filzmaier unnötig in die Länge dehnte, indem er auf die Frage nach den Auswirkungen der Polit-Duelle auf die eigentliche Wahl nicht mit dem schlichten und ehrlichen  Vierwörter „Ich weiß es nicht!“ konterte, sondern in gefühlten weiteren 80 Minuten etwa 1,2 Milliarden Satzzeichen akustisch über den Äther setzte, die Ähnliches besagten.

Erst danach, gegen 23.30, konnte ich mich, endlich, endlich, dem eigentlichen Fernsehhöhepunkt des Abends, dem Euroleague-Viertelfinalspiel Liverpool-Dortmund, widmen, welches ich mir dank der Segnungen der modernen Ubterhaltungselektronik auf meiner digitalen Festplatte hatte sichern können. (Um ja genügend Speicherplatz zu haben, hatte ich sicherheitshalber die von meiner Frau sicherlich zufällig archivierten Montag-Arztserien der vergangenen vier Monate gelöscht). Nun ja – was soll ich sagen? Erst Küniglberg, dann Anfieldroad, besser FANfieldroad. Zuerst Khohl gegen Hofer, dann Klopp gegen Tuchel. Der von der Liverpool-Crowd fast kultisch verehrte Kraut-Trainer gegen seinen einstigen Schüler und Bayern-Ärgerer Tuchel. Es war das mit Abstand beste Duell des Abends. Jeder in Österreich, der das gesehen hat, wird das bestätigen (auch jeder, der das nicht gesehen hat)! Erst 0:2, dann 1:3, 2:3, 3:3, 4:3 – Liverpool im Halbfinale, das Spiel jetzt schon Legende.  Klopp, wie gewohnt die Inkarnation eines außer Kontrolle geratenen Atomreaktors, schon jetzt unsterblich, Trainerkollege Tuchel irgendwie auch schon nahe dran.

Bei der EM werden leider beide nur Zuschauer sein, wahrscheinlich sind aber beide live vor Ort. Eine Gemeinsamkeit übrigens mit einer Person aus dem gestrigen erlauchten Politdiskussions-Kreis. Diese wird nämlich im Juli schon in der Präsidentenfunktion sein und Österreich im EM-Finale von der Ehrentribüne aus anfeuern. Wer das sein wird? Fragen Sie Filzmaier!

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