Holzfäller, Holzhackersteak, Cassoulet

Vor wenigen Tagen las ich ein Interview mit dem isländischen Teamchef Lars Lagerbäck; der Coach des Gruppengegners von Österreich (22. Juni, 18 Uhr, Stade de France/Saint-Denis) sprach davon, dass seine Spieler keine „Holzfäller“ wären, was mich zu zwei Überlegungen führte. Warum haben eigentlich noch nie Waldarbeiter und Holzfäller heftig protestiert, wenn sie bzw. ihre Berufsgruppe als Synonym für, sagen wir: rustikales Spiel herhalten muss? Fußball ist kein Sport für Warmduscher, internationale Härte ein hochgelobter Begriff, und einen Schiedsrichter gibt es zudem auch noch. Aber na gut.

Der zweite Punkt ist relevanter. Holzfäller – Holzhacker – Holzhackersteak! Davon werden absolut köstliche Varianten zubereitet, die einen Nährwert von 1000 Kalorien aufwärts besitzen und tatsächlich jenen vorbehalten sein sollten, die wirklich körperliche Arbeit vollbringen. In die Kategorie dieser Speisen fällt auch das Nationalgericht im Südwesten Frankreichs – le Cassoulet. Dieser Eintopf besteht aus weißen Bohnen, Speck, gepökeltem Schweinefleisch und Würstchen. In Toulouse wird auch eingemachtes Gänsefleische hinzugegeben, bei niedrigen Temperaturen werden die Ingredienzien aufgekocht. Der Name leitet sich von der für das für Zubereitung verwendete Gefäß ab. Eine Cassole ist ein Keramiktopf, der in Handarbeit hergestellt wird.

Ob Österreichs EM-Fans in den Genuss eines Cassoulet kommen – hängt von ihnen selbst ab. Das Gericht findet man auch in Paris und anderswo, aber jenes in Toulouse ist geschmacklich unschlagbar. Und in Toulouse wird Österreich allerdings nur spielen, wenn die Koller-Truppe, alles andere als Holzfäller, in der Vorrundengruppe Platz eins belegt. Das könnte schwer werden, aber warum denn nicht?!

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Buchautor, Journalist und Verleger Egon Theiner, 188 cm groß, derzeit 103 kg schwer (Cassoulet!) arbeitet seit Jahresbeginn in Toulouse und wird sich bis zu EM-Beginn das eine oder andere Mal zu Wort melden.

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