Ungarn: Von Zäunen und Zähnen

Am 14. Juni findet im „Noveau Stade de Bordeaux“ also unser EM-Auftaktmatch statt. Es spielt Österreich-Ungarn. „Und gegen wen?“, ist man gemäß einem alten Kalauer versucht zu fragen.

Es ist gerade einmal hundert Jahre her, dass unser gemeinsamer Kaiser Franz-Josef/Ferenc József seine gütigen Augen schloss und damit den Zerfall der Donaumonarchie einleitete. Damals dominierten wir die Ungarn nach Belieben, was im Fußball der folgenden Jahrzehnte leider nicht der Fall war. Der kecke Magyar schwang sich – im Unterschied zu uns -gar zu Weltmeister-Ambitionen auf.

Im Finale 1954 rutschten Puskás und seine Mannen allerdings gegen den mit Adi Dassler-Stollen bewehrten Deutschen aus. Gegen den strammen Schuss Helmut Rahns half keine Gulaschkanone. Die dunklen Jahrzehnte des Eisernen Vorhanges entfremdeten uns, sodass sogar unsere fußballerische „Erbfeindschaft“ in die Brüche ging. Doch zarte Bande blieben über den Zaun hinweg bestehen: Vor allem Tibor Nyilasis fünfjähriges Gastspiel bei der Austria in den Achtzigerjahren würzte das picksüße Spiel der Zuckerbäcker mit etwas Paprika. Dann ging es mit beiden Fußballnationalmannschaften steil bergab. Die einstmals so stolze Fußballnation Österreich erfing sich erst allmählich vom sportlichen Niedergang, die einstmals so stolze Fußballnation Ungarn überhaupt nicht mehr. Nach sage und schreibe 44 Jahren sind unsere Nachbarn wieder für eine EM qualifiziert. Ihr Pech dabei ist, dass sie auf übermächtige Gegner treffen. Adam Szalai und Co werden uns Österreichern jedenfalls nicht die Zähne ziehen. Das soll weiter deren weißgewandeten Landsleuten vorbehalten bleiben – in den grenznahen Kliniken von Sopron und Mosonmagyaróvár…

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