Fast könnte man meinen die Ruptura ligamenti cruciati wäre eine hoch ansteckende Endemie, die momentan im österreichischen Fußball-Frauennationalteam wütet. Dabei handelt es sich um den gemeinen Kreuzbandriss an dem aktuell fünf Stammkräfte des Teams laborieren und langfristig ausfallen. Torfrau Zinsberger, Zadrazil, Höbinger, Purtscheller und Dunst. Zu allem Überfluss war im ersten Play-Off-Spiel der Nations League in Tschechien auch noch Linksverteidigerin Verena Hanshaw gelbgesperrt. Professionell Unkende und Schwarzsehende ahnten nichts Gutes und sie sollten nicht enttäuscht werden.
Ein Verbleib in der A-Gruppe der Nations League ist absolut der Anspruch des österreichischen Teams und würde auch den Pfad zur WM in Brasilien wesentlich erleichtern. Dafür muss aber Tschechien in zwei Spielen bezwungen werden. Berufsoptimisten aus dem ÖFB-Umfeld sprachen zwar nicht von einer gemähten Wiese, aber in ihren Statements klang durch, dass die 12 Plätze in der Rangliste schlechter klassierten Tschechinnen sicherlich kein Stolperstein sein werden. Ich frage mich, auf welcher Grundlage dieser Optimismus basiert, wenn man die letzten Spiele des Teams gesehen hat. Auch diesmal ging es wieder zwei Schritte zurück, statt einen nach vorn.
Nachdem wir an dieser Stelle bereits die Taktik von Teamchef Schriebl kritisiert hatten, wonach er sein Team so aggressiv pressen ließ, dass ihm nach 30 Minuten die Luft ausging, probierte Schriebl es diesmal mit einer neuen Idee. Diesmal ließ er seine Frauen einfach nur hinterherlaufen. Das österreichische Team bekam das Spiel in der ersten Halbzeit zu keinem Zeitpunkt in den Griff. Hanshaw wurde schmerzlich vermisst, die tschechischen Angriffe rollten vorzugsweise über ihre angestammte Abwehrseite. Ihr Ersatz, Katharina Naschenweng, die nach eineinhalbjähriger Verletzungspause (raten Sie nach welcher Verletzung, richtig!), erstmals wieder in der Startelf stand, interpretierte ihre Rolle sehr frei. Wo Naschenweng herumlief weiß ich nicht, wenn die Tschechinnen angriffen, war sie jedenfalls nur sehr selten auf ihrer Position. So fiel auch das 1:0 für Tschechien nach einem Angriff über rechts, der Ball wurde zur Mitte gespielt, wo Wienroither den nächsten fatalen Fehler beging. „Nie rutschen als letzter Mann, sonst liegst du auf dem Rücken wie ein Käfer und kannst nicht mehr eingreifen!“, schärfte uns schon von Jugend auf unser Trainer ein. Das gilt offenbar auch für die letzte Frau, denn Wienroither konnte nach einem missglückten Tackling nur mehr hilflos zusehen, wie Michaela Khýrová allein aufs österreichische Tor lief und eiskalt das 1:0 erzielte.
Die zweite Halbzeit brachte eine leichte Steigerung der rotweißroten Frauen, aber am Ende muss man hochzufrieden sein, nur mit 0:1 verloren zu haben. Ein Ergebnis, das für das Rückspiel noch alle Chancen offen lässt. Aber nur, wenn schonungslos analysiert und konsequent reagiert wird. Denn wenn Teamchef Alexander Schriebl nach dem Spiel sagt, die Partie wäre relativ ausgeglichen gewesen, dann fragen wir uns, ob er dasselbe Spiel gesehen hat. Die Tschechinnen waren mutiger, körperlich stärker und spielerisch weit besser als unser Team. Aber wir bleiben optimistisch und hoffen auf die Wende im Rückspiel – was bleibt uns denn auch anderes über?
PS: Danke ORF für die Wertschätzung des Frauenfußballs. Wir freuen uns ja schon, wenn die Spiele live übertragen werden. Da sind wir schon zufrieden. Ein Berichterstattungsteam zum Match zu schicken, obwohl der Spielort nur eine Stunde von der österreichischen Grenz entfernt ist, wollen wir gar nicht. Analysen, Aufarbeitung der Niederlage und Interviews nach dem Spiel wollen wir auch nicht. Wir haben Verständnis dafür, dass das auf Grund der „fortgeschrittenen Sendezeit“ (O-Ton Kommentator Michael Pinter) nicht mehr möglich war und stattdessen die ZIB auf beiden Kanälen parallel durchgeschaltet wurde. Wir Gebührenzahler zahlen gerne zweimal für dasselbe, obwohl wir uns das aber gar nicht gleichzeitig anschauen könnten – nicht einmal wenn wir das wollten!