Farnberger & Simon sind wieder da

Farnberger & Simon sind wieder da! Natürlich waren sie nie weg, abgesehen von einigen wenigen kurzen metaphysischen Absencen, hervorgerufen durch ein unverantwortliches Überangebot an Erfrischungen in diversen Fußballclubkantinen. Sie melden sich wieder zu Wort, sei hier gemeint! Ungefragt, selbstverständlich, und hauptsächlich wieder zu Fußball. Die Europameisterschaft im Juni wirft ihre Schatten voraus und der Hype um das österreichische Nationalteam führt direkt dazu, dass die beiden ihren aufgestauten Wortschwall nicht mehr kontrollieren können und ihn ab sofort weltweit ins Netz der Netze gießen.

Für die ganz wenigen, die die beiden ballesterischen Lästerzungen noch nicht kennen, hier eine kurze Vorstellung der zuwiderhandelnden Personen: Großspurig hatten Farnberger & Simon vor Jahren bei Erscheinen ihres Erstlings „Beruf: Fußballfan“ (Molden, 2005) angekündigt, die beiden Kunstgattungen Literatur und Fußball miteinander vermählen zu wollen. Was wie ein heldenhaftes Unterfangen von herkulischem Ausmaß anmutet, ein Meisterstück der ehrwürdigen Kupplerzunft, wirkt freilich viel profaner, wenn man hinter die Kulissen blickt. Claus Farnberger, als Provinzschiedsrichter auf den Krautäckern der Waldviertler Bauerndörfer, permanent der Gefahr von körperlichen Misshandlungen ausgesetzt, konnte seine Angstneurosen offenbar nur durch das Verfassen von lustigen bis halblustigen Versen kompensieren. Sein Harmoniebedürfnis war so groß, dass sich die Zeilen am Ende sogar reimten. Gerald Simon hingegen, der durch weibliches Ränkespiel und sexuelle Hörigkeit verhinderte Stürmerstar, fütterte seine Melancholie mit elegischen Oden an die Liebe und den damit verbundenen unausweichlichen Schmerz. In diesen traumatischen Gemütszuständen lernten sich Farnberger und Simon unter dem Schutzdach eines wöchentlichen Literaturzirkels kennen, aus dem sie alsbald ausgeschlossen wurden, weil sich ihre Diskussionsbeiträge mehr um die jeweils letzte Bundesligarunde rankten, denn um die Neuinterpretation des ehelichen Seitensprungs bei Fontanes „Effi Briest“. Diese ganze Fußball-/ Literaturgeschichte ist also weniger ein hehres Anliegen die Kunst zu revolutionieren, sondern eigentlich nur eine späte Rache für die erfahrene Demütigung durch eine vom Turnunterricht befreite Germanistenbande.

Bereits vor der EM beginnen nun Farnberger & Simon die Geschehnisse aus ihrer Sicht auf dieser Plattform zu kommentieren. Diesmal haben sie sich aber namhafte Verstärkungen aus der Mannschaft der schreibenden Zunft geholt, um nach der „Reproletarisierung des Fußballsports“ (2008) vielleicht sogar die längst fällige Proletarisierung der Literatur auszurufen! Lasst euch überraschen! Die einzigen, die dieses Vorhaben boykottieren könnten, sind die Spieler der österreichischen Nationalmannschaft selbst, indem sie der absurden Behauptung „Europameister: Österreich“ (Molden, 2008) durch gute Leistungen die satirische Kraft rauben und diesen Irrwitz in realiter exekutieren. In diesem Fall schwören Farnberger & Simon freilich, sich nie wieder respektlos über den österreichischen Fußball zu äußern und fürderhin die Gosch’n zu halten! Bis es jedoch soweit ist, wünschen die beiden viel Spaß beim Scrollen und Klicken.

Verfolge unseren Blog auf Facebook:

Schreibe einen Kommentar