Ordentliche Abschiedsparty

Nicht nur unsere Kicker, sondern auch der Fußballfan muss sich akribisch auf das bevorstehende Großereignis vorbereiten. Der Startschuss dazu fiel spätestens mit dem Anpfiff des letzten Testspiels der österreichischen Nationalmannschaft gegen Tunesien. Allerdings waren die Tunesier gekommen, um nach Möglichkeit die rot-weiß-rote Abschiedsparty vor dem Abflug in die USA zu crashen. Das Ergebnis ist bekannt, auch der schwierige Spielverlauf.

Deshalb wollen wir Ralf Rangnick heute helfen, bis zum ersten Spiel gegen Jordanien in knapp drei Wochen die notwendigen Anpassungen an Spielsystem und Grundaufstellung vorzunehmen. Wir, das sind drei Fußballexperten aus dem nördlichen Waldviertel, mit knapp 200 Jahren an Erfahrung im Amateurfußball. Erwartungsfroh und bei guter Stimmung saßen wir – in zu enge ÖFB-Trikots gepfercht – vor dem Fernseher. Der älteste von uns trug zusätzlich noch einen rot-weiß-roten Hut aus einem Fan-Package eines Supermarktes, und erinnerte damit eher an einen dementen Heimflüchtling, denn an einen Fußballversierten. Gott sein Dank, hatte er die Trillerpfeife nicht dabei, die sich ebenfalls in diesem Package befand.

Schlechte erste Halbzeit

Die erste Hiobsbotschaft ereilte uns bereits vor dem Anpfiff. Leistungsträger Christoph Baumgartner verletzte sich schon vor Anpfiff und wurde durch Michael Gregoritsch ersetzt. Hier machte sich bereits die erste leicht Unruhe in unserer Runde breit. Gregoritsch, wie Arnautovic, kein Laufwunder und schon gar kein Pressingmonster, sollte für Balleroberungen an der vordersten Linie sorgen. Das wurde von uns stark in Zweifel gezogen und passierte auch prompt nicht. Allerdings muss man sagen, dass das gesamte Team nicht auf seinem Leistungsmaximum war und eine schlechte erste Halbzeit ablieferte. Zu allem Überfluss wurde nach einer starken halben Stunde auch noch Konrad Laimer wegen Torraubes ausgeschlossen, was das Spiel von Grund auf veränderte. Erwähnenswert ist noch, dass die Tunesier unter der Führung ihres Stars Hannibal dreimal Stange oder Latte trafen, und das dreimal direkt oder im Anschluss an Standardsituationen. Darüber kann man in der ÖFB-Führungsriege noch einmal intensiv nachdenken.

Leistungssteigerung mit 10 Mann

Normalerweise bist du im internationalen Fußball chancenlos, wenn du fast eine Stunde mit einem Mann weniger spielen musst. Umso überraschender  entwickelte sich dann die zweite Halbzeit. Ralf Rangnick nahm einige Änderungen im personellen Bereich und in der Spielausrichtung vor. Und es funktionierte! Das ist der Grund warum wir Rangnick und sein Team so lieben. Kalajdzic im Sturm war plötzlich gefährlich, Chukwuemeka kurbelte im Mittelfeld und Kevin Danso stoppte die Wirkung von Filigrantechniker Hannibal mit – na, sagen wir einmal – überwältigender körperlicher Präsenz.

Die Tunesier erspielten gegen 10 Mann keine nennenswerte Torchance mehr und Österreich gelang durch Sabitzer, nach einer herrlichen Aktion über Chukwuemeka und Posch der Siegestreffer. Danach war Österreich sogar dem 2:0 sehr nahe, aber Friedl, Posch und Sabitzer vergaben noch in aussichtsreichen Positionen. Am Ende war die Stimmung in unserer Expertenrunde wieder sehr gut, die Leistung in Unterzahl war wirklich beeindruckend.

Erkenntnisse des Waldviertler Expertenpanels:

  • Christoph Baumgartner ist kaum zu ersetzen
  • Konrad Laimer ist kein linker Außenpracker und verliert auf dieser Position viel von seiner Wirkung
  • David Alaba ist ein Leader, aber mit mangelnder Spielpraxis und offenbar nicht ganz fit
  • Kalajdzic ist der gefährlichste Stürmer im Kader (auch als Vorbereiter)
  • Chukwuemeka bringt durch seine Technik und Unbekümmertheit eine völlig andere Dynamik ins Spiel, dasselbe gilt für Paul Wanner
  • Kevin Danso ist in der Lage, allein schon durch seine körperliche Präsenz und seinen grimmigen Blick Angreifer einzuschüchtern

Fazit: Wir haben ein ausgezeichnetes Team für die bevorstehende WM, allerdings ist die aktuelle Grundaufstellung bereits etwas behäbig und offenbar auch nicht ganz fit. Mit dem einen oder anderen Einwechselspieler aus der zweiten Halbzeit würde das Team an Dynamik und Schnelligkeit gewinnen. Zu unserer Freude hat das der Teamchef im Interview auch bestätigt und wir sind überzeugt, das Ralf Rangnick für das erste Spiel gegen Jordanien die richtigen Entscheidungen treffen wird.

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