Typologie der Fußballfans

Auch bei der EM in Frankreich steht der wichtigste Mann gar nicht auf dem Platz – der Fan nämlich. So alt wie der Fußball selbst ist das stete krampfhafte Bemühen der sogenannten Fachkundigen, die armen Spieler in einzelne Kategorien zu pressen und den völlig wehrlosen Kickern so Klischees zu verpassen, von denen sie ihre ganze Laufbahn lang nicht mehr loskommen. Den einen nennen sie „Spielmacher“, den anderen „Eisenbieger“, den dritten „Wasserträger“ (letzterer steht vom Image her nur geringfügig über dem „Wasserlasser“). In sträflicher Art und Weise wurde es hingegen bislang verabsäumt, eine nähere Bestimmung der verschiedenen Arten von Fußballfans vorzunehmen . Bislang galt der Fan der Wissenschaft als dumpfes biertrinkendes Kollektivwesen, das nur in Einzelfällen zur Annahme individueller Eigenschaften imstande ist. Damit muss Schluss gemacht werden, denn bei näherem Hinsehen fächert sich die Gemeinde der Fußballenthusiasten in eine ganze Reihe von Unterarten auf. Und wie es der Zufall will (aber was wissen wir irdischen Mängelwesen schon über die tiefreichenden Gesetzmäßigkeiten der Natur) kommt man bei der Aufstellung derselben auf die für den Fußball so maßgebende Zahl 11!

Fan 1: Der treue Fan

Dieser Fantyp ist der redlichste, aber auch ärmste von allen. Er geht mit seinem Verein durch dick und dünn. Von ihm ist eigentlich in diesem Buch primär die Rede.

Wenn der geliebte Fußballklub auf einer Erfolgswelle schwimmt, dann stehen diese hoffnungslosen Allzeitgetreuen zumeist in der zweiten Reihe, im Falle des Misserfolges in der einzigen. Sie sind wehr- und schutzlos dem Fehlverhalten von Spielern, Trainern und Managern ausgeliefert. Sie sehen aufstrebende Talente gehen und nach Jahren als abgehalfterte Absahner wiederkommen. Sie kommen öfters zum Training als die Spieler ihres Vereins. Ihre Sanktionsmaßnahmen beschränken sich auf das Entrollen von selbstgefertigten Transparenten und den Boykott der Kantinenknacker.

Ein Kommentar zur Typologie der Fußballfans

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