Typologie der Fußballfans

Auch bei der EM in Frankreich steht der wichtigste Mann gar nicht auf dem Platz – der Fan nämlich. So alt wie der Fußball selbst ist das stete krampfhafte Bemühen der sogenannten Fachkundigen, die armen Spieler in einzelne Kategorien zu pressen und den völlig wehrlosen Kickern so Klischees zu verpassen, von denen sie ihre ganze Laufbahn lang nicht mehr loskommen. Den einen nennen sie „Spielmacher“, den anderen „Eisenbieger“, den dritten „Wasserträger“ (letzterer steht vom Image her nur geringfügig über dem „Wasserlasser“). In sträflicher Art und Weise wurde es hingegen bislang verabsäumt, eine nähere Bestimmung der verschiedenen Arten von Fußballfans vorzunehmen . Bislang galt der Fan der Wissenschaft als dumpfes biertrinkendes Kollektivwesen, das nur in Einzelfällen zur Annahme individueller Eigenschaften imstande ist. Damit muss Schluss gemacht werden, denn bei näherem Hinsehen fächert sich die Gemeinde der Fußballenthusiasten in eine ganze Reihe von Unterarten auf. Und wie es der Zufall will (aber was wissen wir irdischen Mängelwesen schon über die tiefreichenden Gesetzmäßigkeiten der Natur) kommt man bei der Aufstellung derselben auf die für den Fußball so maßgebende Zahl 11!

Fan 3: Der Misantroph

Er hat zuhause und in der Arbeitswelt zumeist absolut nichts zu melden. Der während der Woche angesammelte Frust wird am Wochenende auf den Fußballplatz spazieren geführt. Dieser armselige Typus macht infolge permanenten Scheiterns auf allen Ebenen längst die Umwelt für seine klägliche Situation verantwortlich. Er fühlt deshalb ein beträchtliches Maß an Neid und Hass gegenüber jederman, dem es besser geht als ihm selbst, vor allem aber gegenüber geachteten, gut bezahlten, mit hübschen Frauen liierten Fußballjünglingen. An diesen kühlt er bei jedem Heimspiel sein Mütchen und lauert auf jeden Fehler, jedes Indiz auf mangelnde Vollkommenheit. Schon ein bloßer Fehlpass entlockt ihm Beschimpfungen, deren Sanktionierungen auf zivilrechtlichem Wege seine Existenz ernsthaft in Gefahr bringen würden. Sein Zitate-Repertoire schöpft er aus Fauna-Standardwerken wie „Brehms Tierleben“: Ein falscher Einwurf handelt dessen Urheber zumindest einen „geselchten Affen“ ein, ein Eigentor wird mit der Gleichsetzung des Verursachers mit einem sich im menschlichen Rektalbereich tümmelnden Gewürm geahndet.

Zutiefst enttäuscht ist der Misantroph, wenn er einem erfolgreichen Spiel beiwohnen muss. Dann schleicht er mit einem halbhezrigen „die Depattn haums Glick“ von dannen.

Ein Kommentar zur Typologie der Fußballfans

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